
Hinweis: Die folgende Tabelle ist eine Faustregel zur Vordimensionierung, kein Nachweis. Verbindliche Werte ergeben sich aus dem hydraulischen Nachweis und der jeweils gültigen Ausgabe des Regelwerks (DIN EN 1610, DWA-A 110, DWA-A 118) sowie den Vorgaben des Netzbetreibers.
Sie brauchen schnell eine Hausnummer für das Mindestgefälle einer Haltung? Die verbreitete 1/DN-Regel liefert pro Nennweite einen Startwert. Die Tabelle unten rechnet sie für die gängigen Durchmesser aus — in ‰, als Verhältnis und als cm pro 100 m — und sagt anschließend, wann die Faustregel nicht genügt.
Mindestgefälle je DN (1/DN-Faustregel)
| DN (mm) | Verhältnis 1:DN | Mindestgefälle (‰) | ≈ cm / 100 m |
|---|---|---|---|
| 100 | 1:100 | 10 | 100 |
| 125 | 1:125 | 8 | 80 |
| 150 | 1:150 | 6,7 | 67 |
| 200 | 1:200 | 5 | 50 |
| 250 | 1:250 | 4 | 40 |
| 300 | 1:300 | 3,3 | 33 |
| 400 | 1:400 | 2,5 | 25 |
| 500 | 1:500 | 2 | 20 |
| 600 | 1:600 | 1,7 | 17 |
Rechenweg: Mindestgefälle in ‰ ≈ 1000 ÷ DN (in mm). DN200 → 1000 ÷ 200 = 5 ‰, also 1:200 oder 50 cm Höhenunterschied je 100 m.
Wann die Faustregel reicht — und wann nicht
Die 1/DN-Regel ist eine Plausibilitätskontrolle und ein Startwert, kein prüffähiger Nachweis. Maßgebend ist die Selbstreinigung: Die Strömung muss schnell genug sein, um Feststoffe zu transportieren statt sie ablagern zu lassen.
- Prüffähig ist in der deutschen Praxis der Schleppspannungsnachweis nach DWA-A 110 (Mindestschleppspannung in der Größenordnung ~1,0–1,5 Pa für häusliches Schmutzwasser — gegen die gültige Ausgabe prüfen), bzw. eine Mindestfließgeschwindigkeit beim maßgebenden Abfluss. Bei größeren oder kritischen Haltungen erwartet der Prüfer diesen Nachweis, nicht die Faustregel.
- Höchstgefälle: Ein hartes Maximum gibt es selten, aber oberhalb von ~3–5 m/s werden Abrasion und Lufteintrag zum Thema. Statt eine Haltung durchgehend steil zu führen, ist ein Absturz im Schacht oft sauberer.
- Anschlussleitungen (Hausanschluss) liegen meist eigenständig bei rund 0,5–1 % (5–10 ‰) — nicht mit dem öffentlichen Kanal verwechseln.
Je flacher die Haltung, desto empfindlicher reagiert sie auf Bautoleranzen: wenige Zentimeter Sohlfehler über eine lange Haltung heben ein geringes Planungsgefälle auf.
Die Logik hinter diesen Werten — Schleppspannung, Selbstreinigung, Mindest- und Höchstgefälle — vertieft der Beitrag Mindestgefälle für Freispiegelkanäle.
Was das für den Längsschnitt bedeutet
Das gewählte Gefälle ist nur die halbe Arbeit; die andere Hälfte ist die korrekte Darstellung. Im Längsschnitt muss je Haltung das Kanalgefälle konsistent mit der Länge stehen, die Sohlhöhe an jedem Schacht aufgelöst sein und die Überdeckung über die ganze Trasse geprüft werden. Wie daraus ein sauberer, abgabefähiger DXF entsteht, zeigt Altivo Schritt für Schritt.
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